Freund oder Fluch

Ist die Lüge dein Freund oder dein Fluch?

Ich weiß für mich, dass ich zum Lügen nicht geboren bin. Ja, ich habe es versucht und praktiziert, doch ich bin kläglich eingebrochen damit. Als kleines Mädchen, bin ich mitten in der Nacht aufgestanden und habe meine Mama wecken müssen, um Ihr zu sagen, dass ich ihr nicht die Wahrheit erzählt habe. Schon damals, fühlte ich solch eine ungeheuerliche Erleichterung, die ich in mir auslöste – dieses Gefühl vergesse ich nie!!!

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da war ich so verzweifelt in einer Situation, da bemächtigte ich mich einer Lüge. Ich inszenierte sie sehr glaubwürdig. Als ich begriff, dass mein gegenüber, die Lüge glaubte, war ich zum einen sehr getroffen und zugleich ohnmächtig. Zum einen, weil die Person mir die Lüge zutraute und zum anderen, weil ich dadurch erkannte, wie furchtbar hilflos ich war, dass ich mit dieser erfundenen Geschichte erhoffte, alles zum Guten wenden zu können.

Mein Verhalten führte dazu, dass ich unter mir sehr litt. Es war eine Mischung aus Scham, Verachtung und Verzweiflung für mein Ich entstanden. Es war grausam. Die Lüge wurde zu meinem Fluch. Um da wieder heraus zu kommen, gab es nur den Weg der Wahrheit. Und das tat ich. In diesem Moment fühlte ich wieder diese Erleichterung, endlich diesen schweren Ballast von meiner Seele zu werfen. Natürlich habe ich damit den anderen Menschen extrem verletzt, doch für mich war es die einzige Lösung, mich zu heilen.

Ich finde, dass wenn man sich traut die Lüge selber aufzudecken, um sich sozusagen zu outen, dann bedeutet es, diesem Menschen Respekt und Wertschätzung entgegenzubringen. Für mich bedeutet die Wahrheit zu sagen, dass ich den Anderen achte und gern habe und er mir wichtig ist, um ihn nicht länger hinter das Licht zu führen. Vielleicht sollte man nach dem Schmerz, dies berücksichtigen und somit kann man eher verzeihen und Frieden schließen.

Heute weiß ich, dass ich keine Lügnerin sein kann. Mag sein, dass man dadurch leichter und schneller an ein Ziel kommt, doch für mich trifft das nicht zu. Mein Gewissen zermalmt mich regelrecht dabei. Es fällt mir schwer, den Augenkontakt zu mir aufrechtzuerhalten und die Schuld, die ich mir dabei auferlege, lässt mich grau und traurig werden. Eindeutig kann ich von mir sagen, dass ich die Qualifikation zur Lügnerin nicht bestanden habe, da von den folgenden Eigenschaften zu wenig vorhanden sind.  Für eine dauerhafte Lüge, sind folgende Punkte ausschlaggebend:

- Analytisches Denken = blitzschnell im Kopf Probleme erkennen und zu lösen

- Kombinationsgabe = Abläufe/Situationen zusammenführen

- Charaktersache = trotz Täter sich als Opfer darzustellen

- Strategische Planung = Entwicklung eines Planes auszuarbeiten / klare Zielverfolgung

- Top Gedächtnis = Wie ein Elefant. Alles wird abgespeichert, sonst läuft er Gefahr sich zu verzetteln

- Schauspielerisches Talent = Beherrschung der eigenen Körpersprache

- Flexibilität = sich schnell auf neue Argumente/Situationen einzustellen

- Risikofreude = keine Angst vor Verlust (man ist sich seiner selbst/Situation sehr sicher)

- Durchhaltevermögen = Auch unter seelischer Anstrengung nicht aufzugeben

- Verhandlungsgeschick = Bereitschaft für Kompromisse, diplomatisch im Gespräch sein

- Einfühlungsvermögen = über die Bedürfnisse des anderen im klaren zu sein

- Cleverness = er weiß über seine Fähigkeit andere für sich zu gewinnen, genau Bescheid

- Neigung = ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer, sein “Ding” durchzuführen

Und ganz wichtig ist, dass man das Gewissen unter Kontrolle behält!